Am 17. August kamen dann die neuen Volontäre Antje und Judith ins Dorf, begleitet von Ex-Nationaltrainer Harendra Singh – ein toller Sportsmann, der sofort zugesagt hat, als ich ihn in unser Hockeydorf eingeladen habe. Harendra hatte viel Spaß mit unseren Kids und war begeistert von dem Engagement und dem Feuer, das die Kinder hier mitbringen! Das Fernsehen und die Presse haben uns durch diesen ereignisreichen Tag begleitet und einen tollen Bericht über unser Projekt verfasst. Am 18. August ging es dann um 6.30h mit 2 Tuktuks gefüllt mit 14 Jungs, 7 Mädels und uns Helfern zum Bahnhof in Mandawar, wo wir den Zug nach Jaipur gerade noch erwischt haben. Die Kinder stapelten sich zu zehnt auf einer Sitzbank und waren völlig aufgeregt und aufgedreht – das erste Match in der großen Stadt stand bevor… Am Bahnhof angekommen wartete der DPS Schulbus auf uns und brachte uns in die Eliteschule am Stadtrand von Jaipur. Die Augen der Kinder wurden immer größer, als sie das riesen Sportstadion mit grünem Rasen und die Tribüne voll mit Schulkindern sahen. Auch die Gegner saßen schon im Schatten und wir hatten nur wenig Zeit, uns umzuziehen. In einem großen Koffer hatte ich Hosen, Shirts, Schienbeinschoner und Stutzen mitgebracht – alles neu… Wie am Fließband klettete ich die Schienbeinschoner um die dünnen Beinchen meiner Jungs – Chandu neben mir, zog den Jungs dann die Stutzen an. Lokesh unser Torhüter musste irgendwie in die viel zu große Ausrüstung und konnte kaum damit laufen. Der Einlauf ins Stadion wurde vom Fernsehen begleitet und unsere Jungs standen nun den viel größeren Gegnern auf dem saftigen Grün gegenüber. Das Spiel wurde angepfiffen und unsere Jungs schienen auf dem riesigen Platz förmlich verloren. Nach den ersten 10 Minuten stand es 0:3 und mir schwante Schreckliches. Harendra auf der einen Seite des Spielfeldes, Chandu und ich auf der anderen und Antje neben dem Torhüter versuchten unser Bestes, die Jungs irgendwie zu dirigieren… Nach besagten 10 Minuten ging ein Ruck durch die Mannschaft, man hatte sich nun mit der Größe und Beschaffenheit des Platzes arrangiert und auch die Gegner waren nicht mehr zu ändern, also fingen die Jungs an zu kämpfen! Zur Halbzeit stand es 0:4 – kein Problem – um das Ergebnis ging es bei diesem Spiel gar nicht… In der 2. Halbzeit sortierte sich die Mannschaft selbst und wir hatten sogar 2 gute Torchancen und 2 Kurze Ecken – die 2. Halbzeit verloren wir nur noch 0:2 und hätte es noch eine 3. Halbzeit gegeben – die hätten wir bestimmt gewonnen… Keiner der Jungs war traurig – alle haben ihr bestes gegeben und ich war soooo stolz! Die Medien haben sich auf uns gestürzt und wollten unbedingt wissen, wo wir eigentlich her kommen und wie wir auf die Idee kommen, ein Hockeydorf zu gründen – ich hab nur gesagt: schaut euch diese Jungs an – dann wisst ihr warum! Nach einem üppigen Mittagessen in der Schulkantine haben sich die Kinder umgezogen und wir mussten im Schatten der Tribüne auf den Bus zum Bahnhof warten. Die Kinder blickten auf den Hockeyrasen und fragten, ob sie nochmal spielen können – zack zack zack – schon waren die Schläger alle wieder ausgepackt und die Kinder spielten in gemischten Mannschaften gegeneinander, purzelten auf dem Rasen durch die Gegend, schlugen Purzelbäume und genossen einfach die Größe und Weite des Platzes! Mit leuchtenden Augen und einem zufriedenen Lächeln stiegen dann alle in den Bus und wir fuhren mit dem Zug zurück nach Mandawar. Diesmal hatten wir nicht nur Harendra, sondern auch Baljit Singh, den indischen National Torhüter mit dabei. Der hatte Süßigkeiten für die Kinder mit dabei und Lokesh war besonders stolz, sein Idol kennen zu lernen – Chakde Garh Himmat Singh! Ein ganz besonderer Tag ging zu Ende… Am nächsten Tag habe ich zusammen mit Harendra und Baljit das Dorf verlassen und werde im Oktober wieder zurück sein!
Andrea Thumshirn
Hockey Village India Foundation
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DKB